Utz Maas

Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher 1933-1945

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Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher 1933-1945

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Die Verfolgung und Vertreibung von Menschen aus rassistischen und politischen Gründen im Nationalsozialismus war auch ein massiver Eingriff in die damalige Wissenschaft. Mit dem hier vorgelegten Katalog wird dieser Eingriff für das Feld der Sprachforschung dokumentiert. Damit wird zugleich aber auch eine entscheidende Phase in der Herausbildung der modernen Sprachwissenschaft zugänglich, deren Professionalisierung in diesem Zeitraum noch nicht abgeschlossen war und die in den hier dokumentierten Fachgebieten auch phasenverschoben ablief: anders in den großen Schulfächern/ Philologien wie Germanistik, Romanistik oder Anglistik als in den kleineren Fächern wie Semitistik, Sinologie, Finno-Ugristik u.a.. In die Dokumentation einbezogen sind auch Sprachforscher aus Nachbardisziplinen (Philosophie, Logik, Psychologie, Medizin, Rechtswissenschaft, Archäologie), die oft für die neuere Linguistik eine zentrale Rolle spielten. Eingeschränkt wird der Untersuchungsraum durch das Kriterium der deutschen Sprache (zumindest als dominant genutzter Bildungssprache der Betroffenen). Auch die damit verbundenen Abgrenzungsfragen werden in der seriellen Dokumentation des Katalogs durchsichtiger.

In dem 2010 publizierten Katalog wurden die Biographien und wissenschaftlichen Profile von 275 im Nationalsozialismus verfolgten SprachforscherInnen vorgestellt. 210 von ihnen waren rassistisch Verfolgte; 224 emigrierten. Mit einer solchen Dokumentation sind Abgrenzungsprobleme verbunden, die durch diesen Katalog bearbeitbar werden: auf der einen Seite die unterschiedlichen Verfolgungskonstellationen (rassistische und politisch begründete Verfolgung), Auswanderung als Exil vs. als Karriereschritt, Überleben im Reich unter den unterschiedlichen Bedingungen von Verfolgung und Arrangement mit den Verhältnissen; auf der anderen Seite die unterschiedlichen wissenschaftlichen Profile innerhalb der Sprachforschung, die nur z.T. mit dem heutigen Verständnis von Linguistik deckungsgleich sind. Um diese Konstellationen transparent zu machen, sind eine Reihe von Kontrastfällen aufgenommen, sodaß der publizierte Katalog insgesamt 310 Biographien dokumentiert. Die Hintergründe werden in einem umfangreichen Auswertungsteil erläutert.

Der gesamte Katalog ist mit dem Auswertungsteil und weiteren Teilen mit Hintergrundinformationen 2010 im Verlag Stauffenburg (Tübingen) erschienen, bei dem auch die Rechte für die Vervielfältigung liegen.

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